Den Sinn eines binnendifferenzierenden Unterrichts, der versucht, den unterschiedlichen Lernvoraussetzungen innerhalb einer Klasse gerecht zu werden, können viele Lehrpersonen nachvollziehen. Schwierig wird es bei der Frage nach der Leistungsbeurteilung. Im Folgenden soll aufgezeigt werden, dass gerade diese Unterrichtsanlage eine gute Einschätzung des Leistungspotentiales eines Kindes zulässt. Das wirkliche Potential von begabten und hochbegabten Schülerinnen und Schülern zeigt sich oft erst in offenen Aufgabestellungen.

EbenenDie Grundanforderungen bilden den Referenzwert für die Bewertung
Die Grundanforderungen werden für jede Lektion definiert und transparent gemacht. So kennen die Schülerinnen und Schüler die Lernerwartungen der Lehrperson(en) und haben eine klare Vorstellung davon, welche Lernaufgaben sie lösen können müssen, um die Minimalziele zu erreichen. Auch wissen sie, mit welchen Lernaufgaben sie erweiterte und stark erweiterte Ziele erreichen können. 

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Die Beobachtungen der Lehrperson bilden die Grundlage für die Einschätzung des Lernpotenziales eines Kindes
Die Schülerinnen und Schüler wählen Lernaufgaben auf ihrem aktuellen Niveau. Die Lehrperson beobachtet, wie die einzelnen Schülerinnen und Schüler sich entscheiden und wie sie mit den Lernaufgaben zurecht kommen. Schülerinnen und Schüler, die sich nicht einschätzen können, werden von der Lehrperson unterstützt. Einerseits müssen die Kinder lernen, sich selber einzuschätzen und dazu gehören auch entsprechende Erfahrungen. Andererseits möchten wir, dass sie erfolgreich lernen können. In Lerngesprächen wird das Lernverhalten immer wieder thematisiert. Vor allem bei Kindern mit schwachem Selbstwertgefühl ist es wichtig, ihnen durch gute Passung Lernerfolge zu ermöglichen.

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Die Lehrperson beobachtet das Lernverhalten der Schülerinnen und Schüler. Wie verhält sich das Kind? Arbeitet es mehrheitlich innerhalb der Grundanforderungen? Erreicht es die Minimalziele aus eigener Kraft? Oder lernt das Kind ausschliesslich im Bereich der erweiterten Anforderungen? Zeigt es Interesse an offenen Aufgabenstellungen?
Die hohe Zieltransparenz bildet eine gute Grundlage für Feedback-Gespräche zum Lernprozess.

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Lernnachweise und Lernkontrollen geben den Lernenden Hinweise, wo sie im Lernprozess stehen. Aber sie zeigen auch der Lehrperson, ob sie mit ihrer Einschätzung richtig liegt. Die Lernkontrollen bestehen zu ca. 60% aus Aufgaben aus dem Bereich der Grundanforderungen. Die Note 4 (gilt nur für die Schweiz !!) entspricht somit der Aussage: Grundanforderungen erreicht.

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Auch die Eltern haben aus ihrer Sicht eine Vorstellung des Leistungspotentials ihres Kindes. Bestehen Differenzen zwischen der Einschätzung der Eltern und der Einschätzung der Lehrperson(en), werden Noten allein nicht ausreichen, diese aus der Welt zu schaffen. Es lohnt sich, anhand von ausgesuchten Lernnachweisen den Eltern aufzuzeigen, was ihr Kind kann und auf welchem Niveau es erfolgreich lernen kann. Es lohnt sich auch, das Kind mit einzubeziehen, da es sehr wohl Aussagen darüber machen kann, auf welchem Anforderungsniveau es vor allem arbeitet und sich wohlfühlt. Ein enger Kontakt mit kritischen Eltern hilft, eine Vertrauensbasis zu schaffen, die eine gemeinsame Sicht auf das Leistungsverhalten des Kindes entstehen lässt.

 

 

 

 

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