Unterrichtsanlage
Der Vorteil der Unterrichtsanlage im Churermodell ist, dass sie Möglichkeiten schafft, besser mit Heterogenität resp. Vielfalt umzugehen, Schüler:innen mehr Partizipation ermöglicht und damit die überfachlichen Kompetenzen (exekutiven Funktionen) stärkt und im gleichen Raum Förder-, Regelunterricht und integrative Begabungs- und Begabtenförderung zulässt. Dies alles mit vertretbarem Aufwand über Lernaufgaben.
Entstanden ist das Churermodell vor 15 Jahren an der Stadtschule Chur. Es ging darum, einen besseren Übergang vom Kindergarten in die Schule zu schaffen. Dazu wurde die Unterrichtsanlage des Kindergartens mit der räumlichen Öffnung auf den Unterricht der Schule übertragen.
Weg von der frontalen Ausrichtung hin zu einem Lernraum, in dem sich alle Beteiligten wohl fühlen, gut bewegen und lernen können. Weitere Merkmale sind Inputs im Kreis und Arbeit mit Lernaufgaben.
Schulzimmer umstellen
Die Schülertische sind nicht mehr zur Wandtafel ausgerichtet. Unterschiedliche Arbeitsplätze mit unterschiedlichen Perspektiven unterstützen Schüler:innen beim konzentrierten Arbeiten.
Input im Kreis
Im Inputkreis werden Lernaufgaben vorgestellt und besprochen. Die Schüler:innen erhalten Hinweise, die es ihnen ermöglicht, sich für eine Lernaufgabe zu entscheiden. Der Inputkreis ist auch der Ort des Ankommens, des Austausches von Lernerfahrungen und der Reflexion.
Lernen mit Lernaufgaben
Passen zum Input gibt es Lernaufgaben auf unterschiedlichen Anspruchsniveaus, aus den die Schüler:innen auswählen können, indem sie sich zur Aufgabenschwierigkeit einschätzen. Die Lehrperson beobachtet und begleitet diesen Prozess.
Lernort und Lernpartner:in wählen
Die Lernenden entscheiden sich für einen Arbeitsplatz, an dem sie die gewählte Aufgabe gut bearbeiten können. Sie können die Lernaufgabe allein oder mit Lernpartner:innen ihrer Wahl lösen, sofern die Lernaufgabe diesbezüglich keine festen Vorgaben macht.
Hinter dem Churermodell steht ein pädagogisches Konzept, das zum Ziel hat, die Schülerinnen und Schüler an ihrem Lernen zu partizipieren. Es schafft einen besseren Umgang mit Vielfalt und vereint Förder- und Regelunterricht und integrierte Begabungs- und Begabtenförderung.
Der veränderte Raum „bricht“ das frontale Setting auf und gibt dem Unterricht Struktur. Inputs im Kreis, wo Lernaufgaben vorgestellt und besprochen werden, Arbeit mit Lernaufgaben an selbst gewählten Lernorten und Reflexionsphasen im Kreis, die eine Arbeitsphase abschliessen. Dabei nimmt die Lehrperson unterschiedliche Rollen ein: führend im Inputkreis (Instruktion), begleitend und unterstützend während der Arbeitsphase (Konstruktion) und moderierend in den Phasen der Reflexion.
Unterricht schrittweise öffnen
Die Öffnung des Unterrichts erfolgt in 4 Stufen. Nach der organisatorischen Öffnung, wo es um Abläufe und Rituale geht, folgt die methodische Öffnung. Es geht darum, den Unterricht in Lernaufgaben zu denken. Dazu braucht es einen guten Blick für Aufgabenschwierigkeiten. Das Lehrmittel ist nicht mehr ein Programm, das man Aufgabe für Aufgabe abarbeitet, sondern eine Sammlung von Lernaufgaben, aus denen die Lehrperson auswählt. Bei der inhaltlichen Öffnung liegt der Fokus bei den Lernenden. Ihnen gilt es gerecht zu werden und nicht dem Lehrmittel. Es geht um den Lernstand der einzelnen Schüler:innen in Bezug auf die Ziele des Lehrplanes. Der Unterricht erhält damit einen stärkeren Schüler:innen- und Lehrplanbezug. Die zeitliche Öffnung kann sich auf die Gestaltung des Stundenplans beziehen und ebenso auf das Lernen jedes einzelnen Schülers. Nicht von ungefähr gilt die „Zeit“ als vierter Pädagoge (Reggio-Pädagogik).
Das Lehren und Lernen orientiert sich nicht an einem Klassenziel, sondern an erreichbaren Lernzielen für alle).
Auf „Umgang mit Lernaufgaben und Öffnung des Unterrichts“ wird an Weiterbildungen eingegangen.
10 Handlungsfelder
im Churermodell
1
Schulzimmer gestalten
Das Schulzimmer wird zur Lernlandschaft mit unterschiedlichen Arbeitsplätzen. Die Wandtafel ist nicht mehr der dominierende Ort im Schulzimmer. Der Kreis spielt eine zentrale Rolle. Die Schülerinnen uns Schüler (SuS) können den Arbeitsplatz selbst wählen. Alle Materialien haben einen bestimmten Platz.
2
Kurze Inputs im Kreis
Die Inputs mit der Klasse finden im Kreis statt und werden kurz gehalten (in der Regel maximal 10 bis 12 Minuten), um Lernzeit für die Schüler:innen und Zeit für die Lernbegleitung und -beratung für die Lehrperson zu gewinnen.
3
Transparente Leistungserwartung
Die Lehrperson macht den SuS die Grundanforderungen altersgerecht transparent. Die Schüler:innen kennen so die Lernerwartungen der Lehrperson.
4
Schüler:innen wählen aus dem Lernangebot
Die SuS schätzen sich selbst ein und wählen aus dem Lernangebot jene Lernaufgaben aus, die ihrem Leistungsniveau entsprechen. Die Lehrperson beobachtet und unterstützt diesen Prozess.
5
Klassenführung
Klassenmanagement ist in jeder Form des Unterrichts wichtig. Rituale, Prinzipien und Regeln geben Orientierung und Sicherheit. Auf die Einhaltung von Regeln wird geachtet.
6
Lernreflexion
Nachdenken über das Lernen ist fester Bestandteil des Unterrichts. Die Lernenden werden immer wieder zum lauten Denken und Argumentieren aufgefordert. Die Lehrperson führt regelmäßig Gespräche mit den SuS über ihr Lernen (Lernreflexionen mit der ganzen Klasse und einzeln).
7
Vielfalt und Unterschiede akzeptieren
Zentral ist die Einsicht, dass kein pädagogisches Konzept alle SuS auf den gleichen Stand bringen kann, dass es aber dennoch möglich ist, allen SuS Lernerfolge zu ermöglichen. Differenzierte Lernangebote und individuelle Lernbegleitung ermöglichen es den Lernenden, auf ihrem Niveau einzusteigen und die aktuelle Stufe «plus 1» zu erreichen.
8
Miteinander und voneinander lernen
Sich gegenseitig beim Lernen zu helfen und zu unterstützen ist ein wesentlicher Bestandteil der Lernkultur im Churermodell. Helfersysteme werden darum eingeführt und etabliert. Der «First-Level-Support» erfolgt durch die SuS. Sie kennen Strategien, die ihnen helfen, wenn sie nicht mehr weiterwissen.
9
Lernstrategien und Arbeitstechniken fördern
Lernstrategische Kompetenzen bilden die Grundlage für selbst reguliertes, lebenslanges Lernen. Kognitive und metakognitive, Stütz- und Motivationsstrategien werden bewusst eingeübt und gefestigt.
10
Geisteshaltung: Ich traue meinen SuS etwas zu
Die Grundhaltung der Lehrperson, dass die SuS grundsätzlich lernbereit sind, ist spürbar und leitet den Unterricht an. Den SuS etwas zuzumuten, schafft Öffnung und Lernchancen.
Beispiele Schulzimmergestaltung
Wiedergabeliste
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