- Reto Thöny
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Eine vom Dachverband Lehrerinnen und Lehrer Schweiz (LCH) bei gfs.bern in Auftrag gegebene Untersuchung zum Integrativen Unterricht zeigt: Sieben von zehn befragten Lehrpersonen stimmen der Aussage zu, leistungsstarken und hochbegabten Schüler:innen im Integrativen Unterricht nicht gerecht werden zu können. Gleichzeitig ist eine Mehrheit der Ansicht, dass das allgemeine Leistungsniveau der Schüler:innen gesunken ist. Dagmar Rösler, Präsidentin der Geschäftsleitung des LCH, sieht in einem Radiointerview den Grund darin, dass der Fokus möglicherweise zu stark auf die Förderung lernschwacher Schülerinnen und Schüler gelegt wurde. Als Lösung fordert sie mehr Ressourcen zur Förderung lernstarker Schüler:innen.
Eigentlich müssten gerade leistungsstarke Schüler:innen von Integrativem Unterricht besonders profitieren, da zum gleichen Thema Lernaufgaben auf mehreren Anspruchsstufen bereitstehen. Die Aussage der befragten Lehrpersonen legt jedoch nahe, dass in der Praxis vielerorts weiterhin klassischer Klassenunterricht stattfindet. Ein solcher Unterricht wird den heterogenen Herausforderungen kaum gerecht und stellt insbesondere für Kinder mit ADHS ein kaum lösbares Konstrukt dar.
Liebe Frau Rösler, würde nach 10 bis 15 Jahren Integration nicht ein Wechsel zu wirklich differenziertem, individualisiertem Unterricht mehr Sinn machen – statt weitere Ressourcen in zusätzliche Lehrpersonen zu investieren, die weitere Schnittstellen schaffen und damit für Klassenlehrpersonen mehr Absprachen und mehr administrativen Aufwand verursachen? Man wird das Gefühl nicht los, dass guter Unterricht für viele einzig eine Frage der verfügbaren Ressourcen ist. Es scheint einfacher, Leidensdruck zu signalisieren und nach mehr Ressourcen zu rufen, als den Unterricht selbst zu verändern.
Denn wenn 50 % der Schüler:innen eine sonderpädagogische Massnahme zugesprochen erhalten (ebenfalls ein Ergebnis dieses Berichts), kann etwas mit dem System grundsätzlich nicht stimmen.
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